Das Ende der Geldkarte. Späte Einsicht nach 18 Jahren

Spätestens zum 1.1.2018, dann werden seit der Einführung fast 22 Jahre vergangen sein, stellt die genossenschaftliche FinanzGruppe ihre Geldkarten ein. Einige Volks- und Raiffeisenbanken geben ab sofort neue Karten nur noch ohne Geldkartenfunktion aus. Man muss sicherlich kein Hellseher sein um vorauszusehen, dass andere Bankengruppen folgen werden. Schon bei der Einführung im Jahre 1996 war die Akzeptanz eher bescheiden mit 300.000 Bezahlvorgängen zu 3,9 Mio. EURO. (Ja, damals gab es noch keinen EURO. Die Quelle: Wikipedia, die sich wiederum auf die Quelle Bankenverband bezieht, hat den Wert sicherlich korrekt umgerechnet. Die Währung hieß damals De-Mark). Die Umsatzspitze wurde 2007 mit dem Zigarettenautomaten-Boom erreicht, da man diese oder eine andere Karte zur Altersverifikation brauchte. 148,3 Mio. EURO wurden mit der Geldkarte im gesamten Jahr 2007 ausgegeben und von da an ging’s bergab. 2012 waren es nur noch Umsätze von 119 Mio. EURO bei 39,1 Millionen Zahlvorgängen. Das EHI Retail Institut bezifferte den Anteil der Geldkartenzahlungen im deutschen Einzelhandel immer mit 0,0 %.

Für die genossenschaftlicheFinanzGruppe ergab sich durch die geringen Nutzerzahlen eine negative Kosten-Nutzen-Rechnung und eine weitere Subventionierung des System schien weder aus strategischer noch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Also zieht man die Notbremse. Der Zug rollt aber erst 2018 aus, wenn die letzten jetzt ausgegeben Karten ablaufen.

Der Niedergang wurde sicherlich durch Pannen, wie die Softwareprobleme Anfang 2012 oder die schlechte Fettresistenz der Kartenleser bei einer Hamburger Kette namens MacJunkFood oder so begünstigt. Die Hauptgründe liegen aber an der falschen Zielsetzung. Man wollte bei Kleinbeträgen das Bargeld ersetzen und das mit einem enormen Aufwand für Betreiber und Anwender. Wobei sich die Betreiber und Geschäfte bei hoher Akzeptanz sicherlich mit dem System angefreundet hätten, aber für den Verbraucher war dieses System schlicht sinnlos und kompliziert. Ein paar Gedanken hierzu. (Natürlich ist man hinterher immer schlauer, aber bei genauer Kenntnis des Bezahlverhaltens der Mitmenschen hätte man drauf kommen können.)

  • Kleinbeträge werden mit Münzen bezahlt. Münzen bekommt der Verbraucher ständig als Wechselgeld und weiß ohnehin nicht wohin damit. Also wird er sie bevorzugt dort ausgeben, wo es geht, also an Automaten: Fahrkarten, Zigaretten, Limoautomaten, etc. Der durchschnittliche Bezahlbetrag mit der Geldkarte war übrigens gut 3 EURO.
  • Warum soll ich zur Bank gehen um die Karte mit etwas aufzuladen, was ich ohnehin zuviel habe, nämlich Kleingeld. Der durchschnittliche Aufladebetrag im Jahr 2012 waren 28 EURO.
  • Warum soll ich eine weitere Geldbörse nutzen und meiner Hausbank einen (sehr kleinen) zinslosen Kredit gewähren?
  • Bargeld ist schlicht und ergreifend einfacher, schneller und effizienter und es funktioniert IMMEr.

Eine Frage stellt sich mir. In der Wikipedia Aufstellung der Auflade- und der Zahlbeträge klafft jährlich eine Differenz von ca. 20 Mio. EURO zugunsten der Aufladungen. Was passiert mit diesem Geld? Lassen die Menschen sich das wieder auszahlen, weil sie das Medium nicht mehr nutzen möchten? Oder lassen sie es verfallen weil sie vergessen, das da nochwas drauf ist? Das wäre ja dann doch noch ein Bombengeschäft für die Banken. Das interessiert mich wirklich. Vielleicht kennt jemand eine Antwort.

Ansonsten: Simplify your cash

Ihr

Achim Munck

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