Aktuell: Bei Banken gibt es Bargeld.

Bargeld. Foto©2015 Achim Munck

Bargeld. Foto©2015 Achim Munck

„Wenn der Kunde mit Bargeld zahlen möchte, sehen wir es nicht als unsere Aufgabe an, ihn davon abzubringen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Das ist ja mal interessant. In dieser deutlichen Ansage stecken zumindest zwei positive Ansätze:

  • Es gibt offensichtlich noch Banken, die sich an Kundenbedürfnissen und -wünschen orientieren.
  • Banken bieten weiterhin Bargelddienstleistungen an.

Warum muss das jetzt in dieser Deutlichkeit postuliert werden? Offensichtlich gab es in der Vergangenheit verstärkt Bestrebungen, den Kunden das Bargeld abzugewöhnen (erfolglos):

  • Geld in der Geschäftsstelle zu holen, wurde mit Gebühren belegt oder garnicht mehr möglich.
  • Geld in der Geschäftsstellen abzugeben, wurde mit Gebühren belegt oder garnicht mehr möglich.
  • Münzen abzugeben ist richtig teuer.
  • Scheine, die vom Automaten in automatischer Stückelung ausgegeben werden, manuell in die Wunschstückelung zu tauschen kostet eine Gebühr, wenn es überhaupt möglich ist.
  • Banken und Sparkassen übertreffen sich gegenseitig bei ständig neuen Möglichkeiten zum bargeldlosen Bezahlen.

Woher kommt jetzt der plötzliche Sinneswandel? Um mit den reinen Onlinebanken wie ING oder DKB konkurrieren können, wurden die Online Angebote der Banken und Sparkassen massiv ausgebaut. Deren Online Auftritte sind von denen der Online Banken nicht mehr zu unterscheiden. Es gibt bei diesen Dienstleistungsangeboten keine Alleinstellungsmerkmale mehr. Ergo führt der Kunde seine Geschäfte so weit wie möglich am PC durch. Zudem vergleicht er die Konditionen online und nimmt das beste Angebot wahr. Ein Beispiel aus der heutigen regionalen Tageszeitung zeigt, wo die Konditionen gut und wo sie schlecht sind:

Bankkonditionen. Aus Main-Taunus-Kurier 1.8.2017

Bankkonditionen. Aus Main-Taunus-Kurier 1.8.2017

Bei ING und DKB zahlt der Kunde am wenigsten, bei der Deutschen Bank (incl. Noris- und Postbank), HVB, Cronbank (??) und Naspa zahlt er am meisten. Das ist nur ein Beispiel, bei anderen Angeboten wird es ähnlich sein. Online verlieren die klassischen Banken Geschäft, sie sind nicht wettbewerbsfähig.

Warum soll „DER KUNDE“ seine Bank kontaktieren? Wegen Bargeld! Und es ist tatsächlich so, dass die meisten Kundenbesuche in einer Geschäftsstelle wegen Bargeld stattfinden. Einige Banken haben es verstanden und rüsten ihre Geschäftsstellen wieder mit AKT aus (Für den Nicht-Banker: Das sind so genannte automatische Kassentresore, die den Mitarbeitern die Bargeldbearbeitung abnehmen, sodass die sich auf den Kunden konzentrieren können). Selbst im Vereinigten Königreich, wo vor 20 Jahren ALLES Bargeld über die Automaten abgewickelt wurde, installieren die Großbanken wieder massiv AKT.

Jetzt ist der Kunde da, wo man ihn haben will. HEIMSPIEL. Jetzt kann man weitere Bedürfnisse erfahren, man kann Vertrauen aufbauen, eine Beziehung herstellen. WOHLFÜHLFAKTOR. Selbstverständlich wird nur vielleicht jeder 100ste Kunde sofort ein neues Geschäft abschließen, wichtig ist die persönliche Beziehung. Hier ist natürlich soziale und fachliche Kompetenz gefragt.

Die Banken bieten Bargeldservice nicht aus humanitären Gründen an, sondern um die Kunden zu halten. Und das ist ja vernünftig. Wer das nicht versteht, wird schließen müssen.

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