Warum werden immer mehr Geldautomaten gesprengt?

Demolierte Filale. Quelle: VRM

Insgesamt scheinen die Fälle zwar zurückzugehen, nach 318 Sprengungen 2016 waren es in 2017 “nur” 248. Dafür ist aber eine vermehrte Häufung in den Ballungsgebieten festzustellen. Mittelfristig steigen die Zahlen immer noch an und bei fünf Sprengungen im Wochenmittel kann man sicherlich keine Entwarnung geben. Dass der Hauptschaden nicht bei dem erbeuteten Geld entsteht, sondern an den Gebäuden, ist bekannt. 250 Fälle mal 50.000 € Schaden summieren sich auf schlappe 12,5 Millionen Euro plus Geld. In etwa der Hälfte der Fälle sind die Täter erfolgreich. Eine sehr gute Quote, daher machen Sie weiter. Der Grund ist einzig die mangelnde Prävention.

Vor etwa 9 Jahren fing es an, mittlerweile sind so gut wie alle der 60.000 Geldausgabeautomaten durch neue Modelle ersetzt worden, aber offensichtlich nicht alle durch explosionssichere. Es gibt seit vielen Jahren unterschiedliche Lösungen, die Sprengungen  zu verhindern oder zumindest den Zugriff auf die Banknoten. (Selbst das Einfärben ist keine Abschreckung, da es einen Schwarzmarkt für gefärbte Noten gibt, man soll es nicht glauben). Es gibt Tresore mit Sollbruchstellen, wo der Explosionsdruck entweichen kann und das Geld drin bleibt, es gibt Neutralisationsgas, es gibt Möglichkeiten, das verfügbare Volumen im Tresor zu verkleinern, dann passt weniger Gasgemisch hinein und die Explosion wird zu schwach. Clever finde ich, kontinuierlich einen Funken im Tresor zu erzeugen, sodass schon die geringen Anfangsmengen an Gas verpuffen. Solange bis die Gasflaschen leer sind.

Solange die Automaten aber nicht flächendeckend durch derartigen Technologien geschützt sind, darf man sich nicht wundern, dass die Motivation der Täter hoch bleibt. Die sind ja nicht blöd, sie gehen dahin, wo etwas zu holen ist. Früher waren die Geschäftsstellen Ziele der Räuber. Nachdem die UVV Kassen eingeführt worden waren, gingen die Überfälle auf Filialen fast auf Null zurück. Die Banken haben ihre Kunden aus Kostengründen aus der Filiale zum GAA gedrängt ohne hinreichend in die Sicherheit zu investieren. Das rächt sich jetzt.

12,5 Millionen Euro Schaden plus entwendetes Geld plus das Risiko von Personenschäden reichen den Bankvorständen offensichtlich nicht aus, ihre Automaten so gut zu schützen, dass den Räubern die Lust vergeht. Die Kunden werden das mittelfristig honorieren, indem sie überhaupt nicht mehr zur Bank gehen und sich ihr Bargeld gleich dort holen, wo sie es ausgeben: Im Handel. Dann wird sich das Thema erübrigen.

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